Notfall erkennen
Suche sofort eine Tierärztin oder einen Tierarzt auf, wenn dein Hund zittert und zusätzlich eines dieser Anzeichen zeigt:
- Zittern zusammen mit Erbrechen oder Durchfall
- Krampfanfall, unkontrollierte Zuckungen oder Bewusstlosigkeit
- Kollaps, Umkippen oder das Tier kann nicht mehr stehen
- Verdacht auf Vergiftung, etwa nach Aufnahme von Schokolade, Rattengift, Medikamenten oder giftigen Pflanzen
- starke Schmerzen, Jammern beim Berühren oder plötzliche Bewegungsunfähigkeit
In diesen Fällen zählt jede Minute. Rufe im Zweifel den tierärztlichen Notdienst an und beschreibe genau, was passiert ist.
Ursachen im Vergleich: harmlos oder alarmierend?
Warum zittert mein Hund?
Ein Zittern ist eine unwillkürliche Bewegung von geringer Stärke. Es kann beim Bewegen, im Stehen oder im Schlaf auftreten. Die Ursachen sind vielfältig, und nicht jedes Zittern ist ein Grund zur Sorge. Manche Formen sind völlig normal, andere weisen auf eine Erkrankung hin. Wichtig ist, dass du das Gesamtbild betrachtest, also ob dein Hund sonst fit wirkt oder weitere Symptome zeigt.
Zittern im Schlaf und in Ruhe
Während eines Schläfchens sind kleine Bewegungen normal. Dein Hund träumt, und wenn er im Traum rennt, zucken oft die Hinterbeine. Dieses Zittern setzt meist rund 1,5 Stunden nach dem Einschlafen im Tiefschlaf ein und ist unbedenklich.
Zittern nach Anstrengung
Nach einem intensiven Spaziergang können die Muskeln deines Hundes ermüdet sein. Dann zittern die Hinterbeine beim Stehen, und der Hund wirkt etwas wackelig. Ruhe, frisches Wasser und Futter helfen ihm, sich zu erholen. Hält das Zittern trotz Ruhe an oder tritt es bei einem jungen, gesunden Hund auf, solltest du es beim nächsten Tierarztbesuch ansprechen.
Zittern zur Wärmeregulierung
Zittern erzeugt Wärme. Friert dein Hund, löst der Körper unwillkürliche Muskelkontraktionen aus, die den Körper aufwärmen. Das ist im Winter oder in kühlen Räumen normal. Sorge dann für Wärme. Auch Fieber kann Zittern auslösen, weil der Körper bei einer Infektion seine Temperatur erhöht.
Zittern durch Energiemangel
Bei Unterzuckerung steht den Muskeln zu wenig Glukose zur Verfügung, was Zittern verursacht. Das kann passieren, wenn dein Hund nicht frisst oder wenn er sein Futter erbricht, bevor die Energie aufgenommen wurde. Zeigt dein Hund dabei Schwäche, solltest du das abklären lassen.
Zittern durch Angst und Aufregung
Bei Angst oder starker Aufregung schüttet der Körper Adrenalin aus, das den Körper stimuliert und Zittern auslösen kann. Oft kommen Hecheln, schnellere Atmung und Unruhe dazu. Typische Auslöser sind Verkehrslärm, Hupen und Feuerwerk, aber auch freudige Momente wie deine Heimkehr.
Zittern durch neurologische Ursachen
Nervenstörungen können den Muskeltonus beeinträchtigen und Zittern verursachen. Beim Bandscheibenvorfall drückt die Bandscheibe auf das Rückenmark, meist begleitet von Schmerzen und Bewegungsunlust. Ein epileptischer Anfall führt zu Zittern, Kontrollverlust und teils Bewusstlosigkeit, hier ist schnelle tierärztliche Hilfe nötig. Auch ein Hirntumor kann Zittern auslösen.
Zittern durch Vergiftung
Viele Stoffe können deinen Hund vergiften und Zittern, Krämpfe oder Speichelfluss auslösen. Dazu zählen.
- Giftige Pflanzen: Aloe, Aronstab, Herbstzeitlose, Dieffenbachia, Ficus, Hyazinthe, Oleander, Schwarze Tollkirsche, Maiglöckchen, Weihnachtsstern, Tulpe und Yucca.
- Giftige Lebensmittel: Schokolade, Zwiebel, Knoblauch und Avocado sind für Hunde giftig. Bei Kartoffeln ist zu unterscheiden: rohe oder grüne Kartoffeln enthalten Solanin und können Beschwerden verursachen, gekochte Kartoffeln ohne grüne Stellen gelten dagegen als unbedenklich.
- Haushaltsprodukte wie Natron oder Rohrreiniger, die die Schleimhäute verätzen.
- Medikamente und Drogen: Paracetamol und Ibuprofen werden von Hunden schlecht vertragen. Auch Tabak, Cannabis und Alkohol sind giftig. Gib deinem Hund niemals Medikamente ohne tierärztliche Rücksprache.
- Rattengift ist sehr gefährlich und kann zu starken Blutungen führen.
Besteht der Verdacht auf eine Vergiftung, ist das immer ein Notfall. Mehr dazu liest du im Ratgeber Vergiftung beim Hund.
Was beeinflusst das Zittern der Hinterbeine?
Alter
Welpen träumen viel und zittern deshalb häufiger im Schlaf. Ältere Hunde bewegen sich weniger, verlieren Muskelmasse und leiden öfter unter Gelenkbeschwerden wie Arthrose. Schmerzen in den Hinterbeinen können dann Zittern beim Bewegen auslösen.
Rasse
Rassen mit kurzem Fell wie Windhunde, Chihuahuas, Dalmatiner und Dackel frieren schneller und profitieren im Winter von einem Mantel. Manche Hunde wie englische Bulldogge, Boxer, Pinscher und Labrador neigen zu idiopathischem Zittern, dessen Ursache sich nicht bestimmen lässt. Gelenkprobleme betreffen vor allem größere Rassen.
Ernährung
Eine ausgewogene Ernährung beugt Mangelzuständen vor. Ein Magnesium- oder Phosphormangel sowie ein Phosphorüberschuss können Zittern begünstigen. Auch ausreichend Wasser ist wichtig, denn Flüssigkeitsmangel kann Muskelkrämpfe auslösen. Als Richtwert gelten rund 60 ml Wasser pro Kilogramm Körpergewicht am Tag.
Körperliche Aktivität und Gesundheitszustand
Regelmäßige, dem Alter angepasste Bewegung hält die Muskeln fit und senkt das Risiko für Ermüdungszittern. Ein kranker Hund ermüdet schneller, frisst oft weniger und hat dadurch weniger Energie, was Zittern begünstigt.
Was du gegen das Zittern tun kannst
Wann du dir Sorgen machen solltest
Zittern wird zum Warnsignal, wenn es plötzlich einsetzt, ohne dass dein Hund schläft, friert oder aufgeregt ist. Alarmierend ist es auch, wenn dein Hund nicht mehr stehen oder fressen kann oder sich sichtlich quält.
Tierärztliche Abklärung
Bei beunruhigendem Zittern ist ein Termin sinnvoll. Die Tierärztin oder der Tierarzt untersucht deinen Hund, fragt nach Umständen, Begleitsymptomen und Vorerkrankungen und kann Untersuchungen wie eine Beobachtung des Gangs, Reflextests oder Röntgen ergänzen. Findet sich keine körperliche Ursache, kann eine Verhaltenstherapie helfen.
Alltag und Umgebung anpassen
- Bei Muskel- oder Gelenkproblemen einen Aufzug statt der Treppe nutzen oder den Hund tragen.
- Bewegung angepasst an Alter und Gesundheit beibehalten, denn das unterstützt die Rehabilitation.
- Bei Frösteln einen passenden Hundemantel für Winterspaziergänge verwenden.
- Bei Schwäche der Hinterbeine ein Tragegeschirr einsetzen, das das Gewicht entlastet.
Wenn du direkt handeln musst, hilft dir der Ratgeber Erste Hilfe beim Hund. Einen vollständigen Überblick zu Symptomen und Vorsorge findest du in unserem Ratgeber zur Hundegesundheit.
Häufige Fragen
Ist es normal, wenn mein Hund im Schlaf mit den Hinterbeinen zittert?
Ja. Zuckungen im Tiefschlaf entstehen durch das Träumen und sind harmlos, solange dein Hund beim Aufwachen normal wirkt.
Mein Hund zittert nach dem Spaziergang, ist das schlimm?
Meist handelt es sich um Muskelermüdung. Ruhe, Wasser und Futter helfen. Hält das Zittern trotz Erholung an, lass es abklären.
Wann muss ich mit Zittern sofort zum Tierarzt?
Wenn Zittern zusammen mit Erbrechen, Krampf, Kollaps oder dem Verdacht auf eine Vergiftung auftritt, oder wenn dein Hund starke Schmerzen hat und sich nicht mehr bewegen kann.
Kann falsche Ernährung Zittern auslösen?
Ja. Mangel oder Überschuss an Mineralstoffen sowie Flüssigkeitsmangel können Zittern begünstigen. Achte auf ausgewogenes Futter und genügend Wasser.





